
(Bildquelle: KI-generiert)
Die Deutsch-Israelischen Gesellschaften in München und Nürnberg-Mittelfranken verurteilen die von linksradikalen Aktivisten im Internet angekündigte Protestaktion „Kufiyas in Buchenwald“ auf das Schärfste. Die Aktion ist für den 11./12. April 2026 geplant – ausgerechnet am 81. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Buchenwald.
Die Kampagne geht zurück auf einen Vorfall im April 2025, als einer Aktivistin der Zutritt zur Gedenkstätte verwehrt wurde, weil sie sich weigerte, ihre Kufiya abzulegen, die sie nach eigenen Angaben explizit als politisches Statement gegen die israelische Politik einsetzen wollte. Das Thüringer Oberverwaltungsgericht bestätigte im August 2025 das Recht der Gedenkstätte, den Zutritt in solchen Fällen zu verweigern. Hausrecht und Gedenkstättenordnung dienen dazu, den Widmungszweck dieses Ortes als Friedhof und Mahnmal vor politischer Instrumentalisierung zu schützen.
Organisiert wird die Kampagne vom „Kufiya-Netzwerk“. Beteiligt sind unter anderem die Kommunistische Organisation (KO), in der die genannte Aktivistin organisiert ist, die Studentenorganisation der Linkspartei (Linke.SDS), die vom Verfassungsschutz als gesichert extremistische Bestrebung geführte „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ sowie die Deutsche Kommunistische Partei (DKP).
Die Kommunistische Organisation hat das Massaker der Hamas vom 7. Oktober 2023 offen gefeiert. In einer bis heute online abrufbaren Stellungnahme der KO hieß es wörtlich: „Wir können diesen Aufstand nur bewundern“, er sei „in Gänze legitim, genau wie all seine Mittel“. Es handelt sich also um Gruppen, die den Terror der Hamas bejubeln und dem Staat Israel das Existenzrecht absprechen.
Die Arbeitsgemeinschaften München und Nürnberg-Mittelfranken der Deutsch-Israelischen Gesellschaft wenden sich gegen diesen ungeheuerlichen Versuch der Instrumentalisierung, Verzerrung und Pervertierung des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.
Die geplante Aktion stellt eine Form der „Holocaust-Inversion“ dar: Jede Gleichsetzung des nationalsozialistischen Völkermords mit der Situation im Gazastreifen ist ein infamer Versuch einer geschichtsvergessenen Täter-Opfer-Umkehr. Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Dr. Felix Klein, sprach in diesem Zusammenhang zu Recht von einem „neuen Tiefpunkt der leider so geläufigen Täter-Opfer-Umkehr“ und verurteilte den „frontalen Angriff auf die Würde des Erinnerns an die Opfer der Shoah auf das Schärfste“.
Die Kufiya ist kein harmloses Kleidungsstück. Sie wurde in den 1930er Jahren durch den Großmufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini, zum politischen Symbol gemacht. Al-Husseini, ein Freund Himmlers und glühender Bewunderer Adolf Hitlers, zwang während des arabischen Aufstands von 1936 bis 1939 die arabische Bevölkerung, die Kufiya anstelle des osmanischen Fes als Zeichen der Zugehörigkeit zu seiner antisemitischen Bewegung zu tragen – wer sich weigerte, wurde verfolgt und bestraft. Al-Husseini unterstützte ab 1933 das NS-Regime, lebte ab 1941 in Berlin, traf am 28. November 1941 Adolf Hitler persönlich in der Reichskanzlei und verbreitete über den Berliner Rundfunk nationalsozialistische Propaganda in der arabischen Welt. Er mobilisierte Muslime für die Waffen-SS auf dem Balkan und setzte sich aktiv für die Blockade von Fluchtwegen für Juden aus Osteuropa ein sowie für die Errichtung von Vernichtungslagern im Mandatsgebiet Palästina.
In den 1960er und 1970er Jahren machte Jassir Arafat – der von al-Husseini gefördert und als dessen politischer Schützling gilt – die Kufiya zum weltweiten Symbol des bewaffneten, auch mit terroristischen Mitteln geführten Kampfes gegen den Staat Israel. Seither steht die Kufiya im politischen Kontext untrennbar für eine Bewegung, deren Führer in direkter personeller und ideologischer Linie zu den Hauptverantwortlichen der NS-Verbrechen stehen.
Dieses Symbol ausgerechnet in einer KZ-Gedenkstätte zur Schau zu tragen, ist daher eine Verhöhnung des Gedenkens an die Opfer des NS-Rassenwahns und eine Perversion der Geschichte: Die Kufiya-Träger standen – von al-Husseini über Arafat bis zur heutigen Hamas – seit jeher auf der Seite der Täter.
Von den 280.000 Insassen des KZ Buchenwald wurden zwischen 1937 und 1945 ca. 56.000 ermordet oder kamen durch Hunger, Krankheit, Zwangsarbeit und medizinische Versuche ums Leben. Viele von ihnen waren Juden, die in Israel eine neue Heimat fanden.
Wir stellen uns ausdrücklich hinter die Leitung der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora, deren Sprecher Rikola-Gunnar Lüttgenau unmissverständlich erklärte: „Gruppierungen, die den Terror der Hamas bejubeln, die Angriffe vom 7. Oktober als ‘großartige Überraschung’ glorifizieren und dem Staat Israel das Existenzrecht absprechen, haben bei uns keinen Platz.“
Gedenkstätten sind Orte der stillen Erinnerung, der Trauer und des Lernens. Sie dürfen nicht zur Bühne für die menschenfeindliche Agenda israelfeindlicher Extremisten werden. Wir fordern daher nicht nur alle demokratischen Kräfte zum Widerstand auf, sondern appellieren auch an die Stadt Weimar und die zuständigen Sicherheitsbehörden, im Rahmen des Versammlungsrechts alle Spielräume zu nutzen, um eine Störung der Befreiungsfeiern durch diese geschichtsrevisionistische Provokation zu verhindern.
Mitzeichner:
[Deutsch-Israelische Gesellschaft – Arbeitsgemeinschaft München]
[Deutsch-Israelische Gesellschaft – Arbeitsgemeinschaft Nürnberg-Mittelfranken]
[Be`er Sheva Munich Queer]
Quellen und Hintergründe:
– Stellungnahme der Kommunistischen Organisation zum 7.10.2023: „Wir können diesen Aufstand nur bewundern“, er sei „in Gänze legitim, genau wie all seine Mittel“ (weiterhin online abrufbar; zitiert u.a. in NZZ, 21.02.2026; Apollo News, 21.02.2026; Junge Freiheit, 22.02.2026)
– Beschluss des Thüringer OVG im Eilverfahren zur Bestätigung des Kufiya-Verbots, August 2025
– NZZ: „Geschmacklos: israelfeindliche Kampagne richtet sich gegen die Gedenkstätte Buchenwald“, 21.02.2026
– Jüdische Allgemeine: „Linksextreme planen Aktion in KZ-Gedenkstätte“, Februar 2026
– Einstufung der „Jüdischen Stimme“ als gesichert extremistische Bestrebung durch den Verfassungsschutz
– Stellungnahme der Gedenkstättenstiftung (Sprecher Rikola-Gunnar Lüttgenau), zitiert in Welt und Jüdischer Allgemeiner
– Stellungnahme des Antisemitismusbeauftragten der Bundesregierung, Dr. Felix Klein, zitiert in Bild, NZZ u.a.
– Wikipedia: „Kufiya“ – zur politischen Instrumentalisierung des Tuchs durch al-Husseini ab 1936
– Wikipedia: „Mohammed Amin al-Husseini“ – zur NS-Kollaboration, Hitler-Treffen vom 28.11.1941, Waffen-SS-Rekrutierung
– United States Holocaust Memorial Museum: „Hajj Amin al-Husayni trifft Hitler“ – encyclopedia.ushmm.org
– Jüdische Allgemeine: „Einig in der ›Judenfrage‹“ (Interview mit Historiker Martin Cüppers zur Rolle al-Husseinis)
– Jüdische Allgemeine: „Protest-Accessoire, Fashion Item und nationales Symbol: die Kufiya“ – zur Geschichte des Tuchs von al-Husseini über Arafat bis heute